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System Mannlicher Schönauer

Das heute bekannte Mannlicher Schönauer Gewehr ist in der Grundkonzeption keine Entwicklung der Firma Steyr sondern geht auf eine Konstruktion des Oberbüchsenmacher der Königlichen Gewehrfabrik Spandau, Louis Schlegelmilch, zurück.

Die preußischen Gewehr-Prüfungskommission (G.P.K.), eine 1877 gegründeten und in Spandau Ruhleben angesiedelten Militärbehörde, hatte als Gegenpart zum französischen Lebelgewehr 1886 dieses System mit den damals hochmodernen Rahmenlader von Ferdinand Mannlicher kombiniert und als Kommissionsgewehr bzw. Gewehr 88 mit der ebenfalls neuen Patrone M 88 (8x57i) in das deutsche Heer eingeführt. 

Zur Vermeidung patentrechtlicher Auseinandersetzungen wurde die Österreichische Waffenfabriks-Gesellschaft in Steyr mit der Fertigung von über 200.000 Gewehren 88 beauftragt. Zudem erhielt die Firma die Option, das System für seine eigenen Waffenkonstruktionen zu verwenden.

Dieser Umstand war die Geburts-stunde des zunächst militärisch genutzen Mannlicher Repetiergewehrs.

In den Folgejahren entwickelte der technische Direktor der Firma Steyr, Otto Schönauer, das legendäre Trommelmagzin als Ersatz für den technisch veralteten Rahmenlader von Ferdinand Mannlicher, in dem die Patronen kreisförmig um den Drehpunkt einer Trommel gelagert werden.

Bereits im Jahr 1900 brachte die Firma ein erstes Jagdgewehr auf Basis dieses fortan als Mannlicher-Schönauer bezeichneten Repetierbüchsensystems auf den Markt. Diese Waffe wies bereits die meisten Merkmale des mit diesem System weltberühmten gewordenen Mod. 1903 auf. Beide Waffen, der quasi Vorläufer Mod. 1900 sowie das Mod. 1903 waren auf die aus der 6,5 mm Militärpatrone abgeleiteten Patrone 6,5x54 Mannlicher Schönauer eingerichtet. Sie verfügten als besonderes Merkmal über eine Vollschäftung und einen nur 45 cm langen Lauf.  

Das Mannlicher Modell von 1903 ging damit als eine der führigsten Waffen, die jemals hergestellt wurden, in die Geschichte ein.

 

Nach den erfolgreichen Stutzen-modellen  von 1900/1903 im Kaliber 6,5x54 M.-S. folgten in den nächsten Jahren die Modelle 1905 im Kaliber 9x56 M.-S., das Modell 1908 mit 50 cm langem Lauf für die Patronen 8x56 M.-S und das Modell 1910 im Kaliber 9,5x57 M.-S.

In den 20er Jahren wurden der Reihe nach die sog. M.- S. Hoch-rasanzstutzen mit einem 60 cm langen Lauf und Halbschäftung für die Patronen 7x57, 7x64, .30-06, 8x60, 9,3x62 sowie 10,75x68 herausgebracht. 

Nach dem 2. Weltkrieg nahm die Fa. Steyr - Daimler - Puch die Produktion des Mannlicher - Schönauers  zunächst mit den Modellen 1950, 1952 und 1956 wieder auf.

Während das Mod. 1950 optisch dem Hochrasanzstutzen der Vorkriegszeit am nächsten kam (gerader Kammerstengel, anfänglich noch mit Ladestreifenführung an der Hülsenbrücke), wurden die Modelle 1952 und 1956 mit einem nach hinten gebogenen Kammerstengel und ohne Ladestreifenführung ausgeführt. (Beim Mod. 1956 mit Ausnahmen; für die Kal. 6,5x68 und 8x68s wurden gerade Kammerstengel verbaut). Bei allen Nachkriegsmodellen wurde die Öffnungskurve von der Hülse auf den Lauf verlegt (dieses Detail macht zusammen mit den „maßgeschneiderten“ Magazinen einen nachträglichen Kaliber/Laufwechsel sehr viel schwieriger).

Neben anderen kleineren Details wurde das Mod. 1956 zudem mit zwei verschiedenen sogenannten Monte-Carlo-Schäften ausgestattet und war wohl vorrangig für den Export nach Amerika bestimmt. . Alle drei Ausführungen gab es sowohl als Stutzen sowie als halbgeschäftete Büchse, zudem war der Kammerstengel bei diesen Waffen nicht brüniert.

Ab Anfang der 60er Jahre wechselten die Bezeichnungen der Waffen. Das klassische Mod. 1950 wurde fortan als Mod. NO (normal Modell?) geführt. Das Mod. 1952 erhielt die Bezeichnung GK  (gekrümmter Kammerstengel) und das Mod. 1956 wurde als MC (Monte Carlo) sowie MCA (Monte Carlo Amerika) geführt.

Der Unterschied zwischen beiden für den amerikanischen Markt bestimmten Modellen bestand in der Nutzung in Kombination mit Zielfernrohren. Während das Modell MCA (Low Monte Carlo) für die Verwendung über die offene Visierung oder Zielfernrohr vorgesehen war, wurde das Mod. MC (High Monte Carlo) ausschließlich für die Verwendung mit Zielfernrohren angeboten.

Die Kaliberauswahl wurde modernisiert und erweitert. (.243 Win, 6,5x54, 6,5x57, 6,5x68, 7x57, 7x64, 8x57IS, 9,3x62; 8x60, 8x68s; .257 Roberts, .308 .30-06, .270 Win und .458 Win).

Bereits in den fünfziger Jahren entwickelte Steyr für die Mannlicher Schönauer Büchsen Werks-Schwenkmontagen, die speziell für das System mit der offenen Hülsenbrücke konstruiert waren. Diese Montagen wurden in zwei verschiedenen Varianten gefertigt: Es gab vordere Montagefüße mit einem zentrierten Drehzapfen sowie auch mit einem seitlich versetzten Drehzapfen. 

Die Produktion des Mannlicher Schönauer Systems wurde 1973 eingestellt. Im Jahr 2003 brachte E. Schoder eine Neuauflage von Büchsen mit diesem System auf den Markt. 

Quellen:

Eichendorff, A. 2017:

Schmidt-Colberg, G., 2017: Der Flintenschütze. download: http://www.flintenschuetze.de/cms/front_content.php?idcat=48 am 06.10.2017